Schulgeschichte

Bis zum Jahr 1951 mussten alle Burghauser Kinder von Lindach bis Holzfeld und sogar drüberhalb des Kanals in die Altstadt zur Schule gehen. Für manche bedeutete das einen strammen Fußmarsch von mehr als einer Stunde.

Da durch den Wiederaufbau und die Expansion bei der Firma Wacker viele Arbeitsplätze entstanden und immer mehr Familien in die Neustadt zuzogen, wurde es notwendig, für die Kinder der “Fabrikler” wie die Altstadtbürger die Neustadtbewohner bezeichneten, eine neue Schule zu bauen, da die Gebäude in der Altstadt mit fast 1300 Schülern aus den Nähten zu platzen drohten.

Die Pläne entstanden bereits 1940. Doch war die Nutzung damals nicht für Schulkinder gedacht, sondern als NSDAP-Gemeinschaftsgebäude und als Gesamtunterkunft für die NSDAP-Kreisleitung.

Schulhaus (alte Aufnahme)

Nach diesen ursprünglichen Plänen von Architekt Fröhlich wurde Jahre später die Schule erbaut und 1951 zuerst als Knabenschulhaus eingeweiht. Trotzdem zogen auch vier Mädchenklassen mit ein. Beide Schulen blieben zunächst den Leitungen der Altstadtschulen unterstellt (Knaben: Anton Loibl – Mädchen: Mater Josefine Ginnhuber, die diese seit 1945/46 innehatte). Mit der Einweihung der Mädchenschule 1953 übersiedelte Mater Josefine in die Neustadt und leitete diese bis 1975/76. Die Knabenschule erhielt 1954/55 mit Karl Hautmann (bis 1960/61) eine selbständige Leitung. Burghausen besaß somit vier Volksschulen: Altstadtschule, Neustadt-Knabenschule, Neustadt-Mädchenschule und die Evangelische Schule (gemischtgeschlechtlich). Weitere Schulleiter der Knabenschule waren Hans Schmalzgruber (1961/62 – 1966/67), Johannes Gabel (1967/68 – 1973/74). Es folgte Josef Seidel 1974/75, der von 1975/76 nach der Zusammenlegung der Mädchen- und Knabenschule die Gesamtleitung bis 1987/88 übernahm. Ihn löste 1988/89 Adolf Richter ab (bis 1998/99). Seit dem Schuljahr 1999/00 ist die Schule Josef Erdorf unterstellt.

Lehrerkollegium 1953/54
Lehrerkollegium der Mädchenschule im Schuljahr 1953/54

Im Laufe der Jahre blieben Veränderungen nicht aus. So musste das Brausebad im Keller nach einigen Jahren der verlegten Schulküche weichen, weil zusätzliche Klassenzimmer benötigt wurden. Dieses Bad benutzten nur die Buben zur wöchentlichen “Zwangsreinigung”, und es war ohnehin nicht sehr beliebt. Ein großes Terrarium mit 23 Becken und den verschiedensten exotischen Tieren wurde 1959 abgeschafft, weil sich die Pflege als zu kostspielig und der schulische Nutzen als zu wenig effektiv herausstellten.

Vorübergehend wurde die evangelische Volksschule im Untergeschoss einquartiert, bis diese in die Kellerräume der 1960 neu erbauten Oberrealschule umziehen konnte.

1962 erhielt die Knabenschule eine 61 Meter lange überdachte Pausenhalle. Somit konnten die Buben auch bei Regen die Pause trocken an der frischen Luft verbringen, während die Mädchen in den Lichthöfen schweigend im Kreis gehen mussten (so wird zumindest erzählt!).

1969 wurde die Schulpflicht um ein Jahr verlängert (Einführung der 9. Klassen im kommenden Schuljahr). In diesem Jahr bekamen Schulkinder und Lehrer jeden zweiten Samstag schulfrei. Die Stundenzahl wurde auf fünf bzw. sechs Tage verteilt. Ebenso in diesem Jahr zog die evangelische Schule wieder ins Untergeschoss ein. 1970 erfolgte deren Auflösung. Alle Kinder wurden der Mädchen- bzw. der Knabenschule zugeordnet.

Im Schuljahr 1970/71 wurden die Klassen 7, 8 und 9, abgekoppelt und zur Teilhauptschule II ernannt. Knaben- und Mädchenschule sind von nun an Grund- und Teilhauptschule I (1. Kl. bis 6.Kl.). Im gleichen Jahr wandern viele Schüler ab, weil die Lindacher Schule eröffnet und der Schulsprengel neu definiert wird. Kurz darauf erhalten die Schulen die Namen: Hans-Stethaimer-Schule (Altstadt), Hans-Kammerer-Schule (Lindach), Johannes-Hess-Knabenschule und Johannes-Hess-Mädchenschule.

Im Schuljahr 1973/74 erfolgte die Einführung der 5-Tage-Woche.

Mit Beginn des Schuljahres 1975/76 zogen die Hauptschulklassen, die auf alle Burghauser Schulen verteilt waren, in die neue Franz-Gruber-Schule ein.

Mit dem Ende des Schuljahres 1975/76 gibt Mater Josefine Ginnhuber die Schulleitung ab. Ihr letzter Eintrag in der Schulchronik lautet: “Juli, 1976 – die Mädchenschule hört auf zu bestehen – eine 300-jährige Tradition geht damit zu Ende.

Dazu ein kleiner Rückblick:
Bis vor über 300 Jahren gab es in der Stadt keine Möglichkeit für Mädchen, eine Schule zu besuchen. Die Englischen Fräulein gründeten 1683 eine kleine Niederlassung in Burghausen und richteten gleichzeitig die freiwillige Elementarschule für Mädchen ein. Viele Bürger schickten ihre Töchter dorthin. Seither wurden Mädchen bis auf zwei Unterbrechungen (1816 – 1826 wegen der Säkularisation und 1937 – 1945 wegen des Nationalsozialismus) von Ordensschwestern unterrichtet.

Mater Josefine Ginnhuber Mater Josefine Ginnhuber

1975/76 erfolgte die Zusammenlegung beider Schulen. Die Schulanfänger wurden von nun an in gemischten Klassen unterrichtet.

Einige Jahre danach wurde der dürr gewordene “Grenzbaum” in der Pausenwiese (als ahnte er, dass seine Aufgabe beendet war) gefällt. Viele erinnern sich noch sehr gut an diesen bedeutungsvollen Baum. War er doch des Öfteren Grund für Strafen, wenn ein Lausbub oder ein unfolgsames Mädchen diese Demarkationslinie verletzt hatten!

1994/95 wurden unter anfänglichem großen Protest der Eltern die 5. und 6. Klassen der Franz-Xaver-Gruber-Schule zugesprochen und nacheinander dort eingegliedert.

Im Schuljahr 2000/01 erhielt unsere Schule auf der Pausenwiese einen bei allen Klassen beliebten Kletterspielplatz.

Schule ist nichts Statisches, sondern etwas Dynamisches. Kinder bedeuten Entwicklung und Zukunft!

Wir hoffen, dass sich noch viele Schülergenerationen in dieser schönen, stets gepflegten, dekorativ gestalteten Schule im Herzen der Neustadt wohl fühlen!

(Text aus der Festschrift zum 50jährigen Bestehen der Schule)

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